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Handyakku

Ist Hilfe immer hilfreich? Warum wird Unterstützung manchmal abgelehnt?

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In diesem Beitrag hatte ich mich mit Hilfeverhalten und damit beschäftigt, warum Menschen oftmals nicht helfen, wenn Hilfe eigentlich notwendig wäre.

Mein heutiger Beitrag soll einmal die Perspektive des Hilfeempfängers und den tatsächlichen Nutzen von Hilfe für diesen in den Fokus rücken.

Hilfe muss nicht immer sinnvoll sein. Hilfe kann sogar unerwünscht sein oder zumindest unbeabsichtigte Folgen nach sich ziehen.

Jemand, dem Hilfe zuteil wird, kann dies als unangenehm empfinden. Weil er plötzlich die Erfahrung macht, auf andere angewiesen zu sein. Umgekehrt steigt das Selbstwertgefühl enorm, wenn man eine schwierige Aufgabe aus eigenen Kräften gemeistert hat.

Das Hilfeverhalten des Hilfegebers kann sogar in hohem Maße egoistisch motiviert sein. Jemand, der sich in der Lage sieht, ein Problem alleine zu bewältigen und plötzlich Hilfe aufgedrängt bekommt, kann dies als Bevormundung erleben. Der Helfer, der als großer Held gefeiert werden möchte. Der arme kleine Hilfeempfänger, dem geholfen wird. Den man nicht ernst nehmen muss. Man will ja nur das Beste für ihn. Ob er will oder nicht.

Aber nicht nur aus der Perspektive des Hilfeempfängers kann Hilfe kontraproduktiv sein. Jemand kann sich an Hilfe und daran gewöhnen, dass er für sein Auskommen nicht mehr verantwortlich ist.

Beispiel Entwicklungshilfe. Es macht einen Unterschied, ob man regelmäßig irgendwelche Hilfslieferungen in ein Entwicklungsland schickt oder mit den Menschen vor Ort gemeinsam ein Konzept entwickelt, wie diese selbst ihr Ernährungsproblem unter Kontrolle bekommen. Das Ganze möglichst auch unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes. Hilfe zur Selbsthilfe. Die Menschen in der Entwicklung ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse unterstützen.

Ein anderes Beispiel ist die erlebnispädagogische "Hilfe" für straffällige Jugendliche. Da gibt es Leute, die meinen, dass in ihrem Einflussgebiet grundlegende lernpsychologische Prinzipien (das Erfahren von Konsequenzen für eigenes Handeln, Lernen durch Belohnung und Bestrafung) keine Gültigkeit haben. Eine wissenschaftliche Evaluation im Hinblick auf die Resultate von Maßnahmen ist dabei natürlich auch unwichtig. Da bekommen straffällige Jugendliche erlebnispädagogische Reisen geschenkt, die aus der Perspektive eines Außenstehenden nur als Belohnung für straffälliges Verhalten eingestuft werden können.

Es kommt darauf an, Hilfe so zu leisten, dass nachfolgend nicht noch mehr Hilfe notwendig ist.

Ich weiß zwar nicht, wo der Bahnhof ist, aber ich fahr‘ Sie schnell hin

Hilfe und Unterstützung sind wesentliche Faktoren bei der Entstehung und Vermeidung von Stress.



Norbert K. Semmer, Psychologie-Professor an der Universität Bern, meint, dass Stress in erster Linie aus einer Bedrohung des Selbstwertgefühls resultiert. Stress wird v.a. dann erlebt, wenn man Misserfolg erwartet, Ziele nicht erreicht und dies dann auf Ursachen in der eigenen Person zurückführt. Wird Misserfolg erlebt oder erwartet, so wirkt dies als starker Stressor. Umgekehrt führt Erfolgserleben zu einer Selbstbestätigung und zu einem verstärkten Interesse an einem bestimmten Thema.

Stress hat aber auch etwas mit der Bewertung durch andere zu tun. Und hier klärt sich dann auf, warum nicht jede Form sozialer Unterstützung stressreduzierend wirkt. Kurz gesagt: Soziale Unterstützung wirkt zunächst einmal stressreduzierend, wenn sie Wertschätzung vermittelt und zu einer Aufwertung des Selbstwerts führt.

Anderenfalls handelt es sich um eine "dysfunktionale soziale Unterstützung", bei der der "Helfende" ...

- ... seine Hilfe mit Vorwürfen verknüpft ("Das hätte ich Dir gleich sagen können, dass das so nichts wird!"),
- ... ewige Dankbarkeit erwartet,
- ... seine Hilfe nicht auf selbstverständliche Art gibt,
- ... dem Adressaten voreilige Lösungsvorschläge anbietet bzw. aufnötigt.

In seinen empirischen Untersuchungen hat Semmer des weiteren festgestellt, dass es weniger auf instrumentelle soziale Unterstützung (mit dem Zweck, ein Ziel zu erreichen), als vielmehr auf emotionale soziale Unterstützung ankommt.

Auf emotionale Entlastung kommt es an. So kann z.B. auch die Teilnahme an einem Lernkurs entlastend wirken, wenn man dabei die Erfahrung macht, dass andere ähnliche Sorgen haben wie man selbst und dass andere "auch nur mit Wasser kochen", wenn man vorher vielleicht Angst vor der Beschäftigung mit einem schwierigen Thema hatte.


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